Bäckerei Köser um 1928

Die Bäckerei vom Stein in Dreibäumen 10 (Wermelskirchen)

Noch heute meine ich den Geruch frischer Brötchen in der Nase zu haben, wenn ich mein Elternhaus betrete. Aber so ist es nicht, denn die Bäckerei wurde am 31.12.1990 geschlossen, als meine Eltern in ihren wohlverdienten Ruhestand gingen. Aber fangen wir da an, wie alles begann:

Mein Vater Horst vom Stein, geboren am 18.01.1927 im Haus seiner Eltern (Karl und Ottilie vom Stein) in Dreibäumen, beschloß schon in seiner frühen Jugend Bäcker zu werden. 1936, als seine Mutter starb, zog er bereits in das Haus Dreibäumen 10 zu seinem Onkel Wilhelm Köser, der dort mit seinem Vater Robert Köser die Bäckerei betrieb. Hier also prägte sich der Wunsch meines Vaters, Bäcker zu werden. Im Jahre 1941 ging er zum Bäcker Heinen nach Remscheid in die Lehre. Bei den schweren Bombenangriffen auf Remscheid und Wuppertal im Jahre 1943 wurde das Haus der Familie Heinen ausgebombt, die dann für ca. 1,5 Jahre in Dreibäumen 10 wohnten. Deshalb musste mein Vater seine Lehre in der Bäckerei Neveling in Lennep beenden.

1948 lernte er seine zukünftige Frau Irmgard, geb. Zimmer kennen, die 1946 aufgrund des 2. Weltkrieges eine dramatische Flucht von Dramburg nach Dreibäumen hinter sich gebracht hatte. 1953 heirateten sie schließlich und wohnten seit dieser Zeit gemeinsam im Haus Dreibäumen 10. 1954 machte mein Vater die Meisterprüfung an der Handwerkskammer Düsseldorf zum Bäckermeister. 1960 übernahm er schließlich die Bäckerei von seinem Onkel Wilhelm Köser und sie konnte in der 3. Generation weitergeführt werden.

Wie sah so ein Arbeitstag als Bäcker aus?
4:00 Uhr in der Früh aufstehen, es wurde z.B. Nullbrot, Graubrot, Feinbrot und Schwarzbrot gebacken. Um 7:00 Uhr wurde der Laden aufgemacht und die ersten Kunden erschienen. Um 9:00 Uhr fuhr mein Vater die 1. Verkaufstour z. B. nach Maisdörpe, Stoote, Strucksfeld, Buchholzen, Durholzen und Eipringhausen. Dann fuhr er schnell nach Hause, um Mittag zu essen. 13:00 Uhr: die 2. Verkaufstour stand an. Um 17:00 Uhr kam er zurück, um 18:30 Uhr wurde der Laden geschlossen. Um 19:00 Uhr ging er ein letztes Mal in die Backstube, um z. B. den Teig für den nächsten Tag vorzubereiten. Ein Leben voll Hektik und kaum Freizeit. In der Nacht von Freitag auf Samstag stand er bereits um 2:00 Uhr morgens in der Backstube. Meine Mutter war natürlich zu 100 % eingebunden. Auch sie stand schon früh morgens mit in der Backstube, um zu helfen und musste sich dann natürlich immer um den Laden kümmern. Wie sie alles andere (kochen, Haushalt, Kindererziehung) nebenbei geschafft hat, weiß ich bis heute nicht.

Leider konnten meine Eltern ihren Ruhestand nicht ausreichend genießen, da mein Vater bereits 1999 an den Folgen seiner Krankheit verstarb – für uns alle ein großer, schmerzlicher Verlust.

Heute wäre mein Vater sicherlich erstaunt und hoffentlich auch glücklich, so wie meine Mutter, dass seine beiden Töchter zurück zu ihren Wurzeln nach Dreibäumen kehrten: Ute mit ihrer Familie im Jahre 2001 und ich mit meiner Familie im Jahre 2004.

Nun – die Backstube ist geschlossen, die Maschinen verkauft, aber den schönen alten Backofen gibt es noch und erinnert uns an die gute alte Zeit. Nur ruhig ist es geworden im Haus Nr. 10 ohne meinen Vater, die Backstube und den Laden.




Sabine vom Stein
Im Februar 2006